Zwischen Sarasdorf im Burgenland und Wien soll eine bestehende Stromleitung ausgebaut werden. Betreiber Austrian Power Grid plant, die derzeitige 220-kV-Leitung, die zum größten Teil durch Niederösterreich verläuft, auf eine 380-kV-Leitung zu verstärken. Teile der Leitung stammen noch aus den 1960er-Jahren. Für das Vorhaben sind laut Unternehmen Investitionen im dreistelligen Millionenbereich vorgesehen.
Neutrassierung auf einem Teilabschnitt
Projektleiter Stefan Pölzlbauer von Austrian Power Grid erklärte, dass über den größten Teil der Trasse der bestehende Korridor genutzt werden könne. In einem Abschnitt ist jedoch eine gänzliche Neutrassierung vorgesehen. Insgesamt stehen dabei rund 75 Kilometer Neubau etwa 70 Kilometern Rückbau gegenüber.
Zu dem Vorhaben fand im Volksheim von Himberg im Bezirk Bruck an der Leitha eine Informationsveranstaltung statt, bei der der Andrang groß war. Netzplaner Michael Schrammel-Iby stellte dort dar, dass sich die Stromerzeugung in Niederösterreich und dem Burgenland zusammen ausgehend vom Jahr 2020 verfünffachen werde. Der Strombedarf in ganz Österreich werde sich im selben Zeitraum verdoppeln.
Unter den Anwesenden äußerten sich Betroffene mit unterschiedlichen Einschätzungen. Andreas Radlinger aus Lanzendorf im Bezirk Bruck an der Leitha sagte, der Neubau bringe für ihn eine wirtschaftliche Erleichterung, da er künftig nicht mehr um einen Masten herumfahren müsse. Norbert Dürr aus Velm, einem Ortsteil von Himberg, sieht das anders. Er besitzt ein 55 Hektar großes Grundstück, auf dem bereits mehrere Masten des Verbund und anderer Betreiber stehen. Für ihn komme das Projekt nicht infrage, erklärte er. Dürr kündigte an, gegen das Vorhaben Einspruch erheben zu wollen.
Das Projekt befindet sich derzeit in der Planungsphase. Kommendes Jahr soll die Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht werden. Weitere Informationsveranstaltungen sind für die kommende Woche in Ebergassing, Trautmannsdorf, Götzendorf und Gramatneusiedl angesetzt, ebenfalls im Bezirk Bruck an der Leitha.
Ausbau von Höchstspannungsnetzen
Grundsätzlich dienen Höchstspannungsleitungen mit 380 kV dem überregionalen Transport großer Strommengen über weite Distanzen. Im Vergleich zu älteren 220-kV-Leitungen können sie deutlich höhere Leistungen übertragen, was insbesondere angesichts wachsender Strommengen aus erneuerbaren Quellen und steigendem Gesamtverbrauch an Bedeutung gewinnt. Bei vergleichbaren Netzausbauprojekten in Österreich wird häufig versucht, bestehende Trassenkorridore weiterzuverwenden, um zusätzliche Eingriffe in Landschaft und Grundstücke möglichst gering zu halten. Dennoch lassen sich Neutrassierungen auf einzelnen Abschnitten oft nicht vollständig vermeiden, etwa wenn topografische, technische oder raumplanerische Gründe dagegensprechen.
Verfahren dieser Art durchlaufen in Österreich üblicherweise mehrere Schritte, bevor mit dem eigentlichen Bau begonnen werden kann. Dazu zählen neben der technischen Planung auch Informationsveranstaltungen für Anrainerinnen und Anrainer sowie die Umweltverträglichkeitsprüfung, in deren Rahmen mögliche Auswirkungen auf Natur, Landschaft und betroffene Grundstücke geprüft werden. Betroffene Grundeigentümer haben in solchen Verfahren grundsätzlich die Möglichkeit, Einwände vorzubringen und am Verfahren mitzuwirken.
Für den Ausbau von Stromleitungen sind in der Regel dauerhafte Nutzungsrechte auf einzelnen Grundstücksflächen erforderlich, auf denen Masten errichtet werden. Das kann für Landwirtschaftsbetriebe praktische Auswirkungen auf die Bewirtschaftung haben, etwa durch Fahrwege rund um bestehende Maste. Gleichzeitig verweisen Netzbetreiber bei solchen Projekten häufig auf die Notwendigkeit, die Übertragungskapazität an eine wachsende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie an einen steigenden Gesamtstrombedarf anzupassen.





