Oberösterreichs Landwirtschaft kämpft mit historischen Ernteausfällen nach trockenstem Frühling seit 169 Jahren

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

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Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich hat am Mittwoch erhebliche Ernteausfälle für das laufende Jahr bekanntgegeben. Der Ertrag bei Körnermais liegt fast um die Hälfte unter dem Vorjahreswert, bei Soja beträgt das Minus rund 35 Prozent. Auch der Gemüse-, Obst- und Hopfenbau ist stark betroffen. Ursache ist laut Landwirtschaftskammer ein extrem trockener Frühling, der österreichweit als der trockenste seit Beginn der Messreihe vor 169 Jahren gilt.

Historisch schlechte Bilanz bei Mais und Soja

Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger sprach am Mittwoch in Linz vom „schwierigsten Ackerbaujahr der Geschichte“. In Oberösterreich fehlten im Schnitt 37 Prozent des üblichen Niederschlags. Beim Körnermais sank der durchschnittliche Ertrag von 12,4 auf 7,8 Tonnen pro Hektar, die Erntemenge ging von 639.000 auf 324.000 Tonnen zurück. Erstmals trat laut Landwirtschaftskammer zudem eine Belastung mit Aflatoxin auf, einem Schimmelpilzgift, das durch Hitze und Trockenheit entsteht.

Bei Sojabohnen dürfte der durchschnittliche Ertrag auf 2,5 Tonnen pro Hektar sinken. Die Zuckerrübenernte liegt voraussichtlich etwa ein Viertel unter dem Niveau des Vorjahres. Auch im Gemüsebau fallen die Verluste je nach Kultur unterschiedlich stark aus: Die Landwirtschaftskammer rechnet mit Ausfällen zwischen 30 und 80 Prozent, wobei Karotten und Rote Rüben besonders betroffen sind. Im Kernobstbau werden Ertragsverluste von bis zu 50 Prozent erwartet. Die Mühlviertler Hopfengenossenschaft geht von einem Minus von rund 30 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt aus.

Besonders stark betroffen war die Grünlandwirtschaft. Weil die Erträge fehlten, mussten Betriebe Futtermittel importieren.

Rekordtiefstände bei Grundwasser und Flüssen

Die Trockenheit spiegelt sich auch in den Wasserständen wider. Laut Hydrographischem Dienst wurden bis zum 10. August an 13 von 53 Grundwassermessstellen historische Tiefststände registriert. Bei Flüssen und Bächen kam es an weiteren 13 Messstellen zu Rekordniederwasserständen, unter anderem an der Traun in Bad Ischl und in Wels-Lichtenegg, an der Aist bei Schwertberg sowie an der Naarn bei Haid. Die größten Abweichungen vom langjährigen Niederwasser lagen bei bis zu 95 Prozent. Eine Anfragebeantwortung von Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) an die SPÖ dokumentiert diese Folgen der Trockenheit für Gewässer und Grundwasser.

Trockenheit als wiederkehrende Belastung für die Landwirtschaft

Grundsätzlich hängt der Ertrag landwirtschaftlicher Kulturen stark von der Wasserversorgung während der Wachstumsphase ab. Fehlt Niederschlag insbesondere in den empfindlichen Entwicklungsphasen von Pflanzen wie Mais, Soja oder Gemüse, wirkt sich das unmittelbar auf Wachstum und Kornausbildung aus. Bei Getreide und Mais kann anhaltende Hitze zudem die Bildung von Schimmelpilzen begünstigen, die Giftstoffe wie Aflatoxin produzieren und die Verwertbarkeit der Ernte einschränken.

Auch Grundwasserspiegel und Flusspegel reagieren auf ausbleibenden Niederschlag, allerdings zeitlich verzögert gegenüber der unmittelbaren Wetterlage. Sinkt der Grundwasserspiegel über einen längeren Zeitraum, wirkt sich das auf die Wasserversorgung von Brunnen, auf die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen sowie auf die ökologische Situation von Gewässern aus. Niederwasserstände an Flüssen und Bächen können zudem Auswirkungen auf die Wasserqualität, die Trinkwasserversorgung und die Lebensbedingungen von Fischen und anderen Wasserlebewesen haben.

In der Grünlandwirtschaft zeigt sich der Zusammenhang zwischen Witterung und Ertrag besonders deutlich, da Wiesen und Weiden im Gegensatz zu bewässerten Ackerflächen meist unmittelbar von den natürlichen Niederschlagsmengen abhängen. Fallen mehrere Schnitte im Jahresverlauf geringer aus als geplant, fehlt vielen Betrieben in der Folge ausreichend Futter für die Tierhaltung, was in solchen Fällen häufig durch Zukauf oder Import von Futtermitteln ausgeglichen werden muss.