Die ÖBB-Infrastruktur AG übernimmt den Bahnhofskomplex Wien-Mitte zurück. Der Aufsichtsrat des Unternehmens stimmte dem Rückkauf am Freitag, dem 2. Oktober 2026, zu. Die Übernahme umfasst das Shoppingcenter „The Mall“ sowie die zugehörigen Büroflächen. Verkäufer ist eine Investorengruppe unter Führung von Morgan Stanley Real Estate Investing. Über den Kaufpreis wurde laut Angaben der ÖBB Stillschweigen vereinbart.
Rückkehr einer 2005 verkauften Liegenschaft
Die Liegenschaft Wien-Mitte war 2005 an die damalige BA/CA-Gruppe verkauft worden. Mit dem nun beschlossenen Rückkauf geht der Komplex wieder in das Eigentum der ÖBB-Infrastruktur AG über. Der Vollzug der Transaktion ist vorbehaltlich der Freigabe durch die Wettbewerbsbehörde für Ende Dezember vorgesehen. Bestehende Verträge mit Mietern gelten laut Mitteilung des Unternehmens unverändert weiter.
Wien-Mitte zählt gemessen an den Fahrgastzahlen zum viertgrößten Bahnhof Österreichs. Nach Angaben der ÖBB halten dort täglich fast 600 Züge. Der Standort ist zudem ein zentraler Knotenpunkt des Wiener Nahverkehrs: U-Bahn- und S-Bahn-Linien sowie der Flughafenzug CAT treffen hier aufeinander.
Von der Zollstation zum modernen Verkehrsknoten
Die Geschichte des Standorts reicht weit zurück. Der Bahnhof wurde 1848 als Bahnhof Hauptzollamt eröffnet und ging 1934 in das Eigentum der Bahn über. Ab den späten 1950er Jahren entstanden über den Gleisanlagen verschiedene Gebäude, darunter ein Bürotrakt und eine Markthalle. Im Jahr 2007 erfolgte der Spatenstich für einen umfassenden Neubau des Areals. Eine Teileröffnung fand 2012 statt, im April 2013 ging der Neubau schließlich vollständig in Betrieb.
Immobilientransaktionen im Bahninfrastrukturbereich
Grundsätzlich sind Bahnhofsareale in zentralen Lagen häufig mit kommerziell genutzten Flächen wie Einkaufszentren oder Büros verbunden. Solche Mischnutzungen entstehen meist, um die hohen Baukosten für Verkehrsinfrastruktur durch zusätzliche Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung mitzufinanzieren. In der Vergangenheit wurden entsprechende Liegenschaften von Bahnunternehmen teils an private Investoren veräußert, um Kapital freizusetzen, während der Bahnbetrieb selbst meist unberührt blieb.
Der spätere Rückkauf solcher Immobilien durch die ursprünglichen Infrastrukturbetreiber ist kein unüblicher Vorgang. Er kann etwa im Zusammenhang mit einer Neuausrichtung der Immobilienstrategie oder einer stärkeren Bündelung von Verkehrsknotenpunkten in öffentlicher Hand stehen. Bei derartigen Transaktionen bleiben bestehende Mietverhältnisse in der Regel bestehen, da Pachtverträge unabhängig vom jeweiligen Eigentümer der Liegenschaft fortgelten. Der Betrieb von Geschäften, Gastronomie und Büros in solchen Komplexen wird dadurch üblicherweise nicht unmittelbar beeinflusst.
Wettbewerbsrechtliche Prüfungen sind bei größeren Immobilien- und Unternehmenstransaktionen in Österreich ein Standardverfahren. Die zuständige Behörde prüft dabei, ob durch den Eigentümerwechsel marktbeherrschende Strukturen entstehen könnten, die den Wettbewerb in relevanten Teilmärkten beeinträchtigen. Erst nach einer entsprechenden Freigabe kann eine Transaktion wie die nun beschlossene endgültig vollzogen werden.







