Die ÖBB haben am Donnerstag in Wien einen vollautomatisierten Elektrobus präsentiert. Das Fahrzeug soll zunächst im Pilotbetrieb beim Europäischen Forum Alpbach in Tirol zum Einsatz kommen, das vom 24. August bis 4. September stattfindet. Auf einer definierten Strecke im Rahmen des Forums wird der autonome Bus während dieser Zeit erprobt.
Erprobung während des Forums Alpbach
Bei dem Fahrzeug handelt es sich um den vollelektrischen Autonomous e-CENTRO C des türkischen Herstellers Otokar. Dieser Bustyp ist bereits in Madrid im regulären Betrieb im Einsatz. Technisch verfügt der Bus über eine Ausstattung nach SAE Level 4. Das bedeutet, dass das Fahrzeug die Fahraufgabe innerhalb eines klar definierten Einsatzbereichs grundsätzlich selbstständig übernehmen kann. Nach österreichischer Rechtslage muss dennoch weiterhin ein geschulter Sicherheitslenker beziehungsweise eine Sicherheitslenkerin an Bord sein.
Der Bus bietet Platz für bis zu 32 Fahrgäste und verfügt über einen barrierefreien Niederflureinstieg mit Rollstuhlrampe. ÖBB-Chef Andreas Matthä bezeichnete autonomes Fahren als Technologie mit großem Potenzial für den öffentlichen Verkehr. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) sprach von automatisierter Mobilität als einem wichtigen Baustein für ein moderneres, sichereres und effizienteres Mobilitätssystem.
Automatisierte Busse im europäischen Vergleich
Autonome Shuttle- und Buskonzepte werden in Europa seit einigen Jahren in unterschiedlichen Modellen erprobt. In den Schweizer Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden hat die Schweizer Post im vergangenen Jahr ein Pilotprojekt mit autonomen Taxis gestartet. In Lindau verkehrte während der Bayerischen Gartenschau 2021 ein fahrerloser Shuttlebus im 15-Minuten-Takt auf einer rund zwei Kilometer langen Strecke.
Solche Projekte dienen üblicherweise dazu, automatisierte Fahrzeuge unter realen Bedingungen zu testen, bevor ein dauerhafter Regelbetrieb erwogen wird. Zeitlich begrenzte Großveranstaltungen wie Gartenschauen oder Konferenzen bieten sich für solche Erprobungen häufig an, da sie ein abgegrenztes Streckennetz, ein überschaubares Fahrgastaufkommen und einen klar definierten Zeitraum ermöglichen. Grundsätzlich gilt bei Fahrzeugen mit SAE Level 4, dass die Automatisierung an bestimmte Einsatzgebiete und Rahmenbedingungen gebunden ist. Außerhalb des vorgesehenen Bereichs oder bei bestimmten Verkehrssituationen ist weiterhin menschliches Eingreifen vorgesehen, weshalb Sicherheitslenkerinnen und Sicherheitslenker in der aktuellen Erprobungsphase in vielen Ländern verpflichtend an Bord bleiben.
Für den öffentlichen Verkehr wird autonomes Fahren häufig als Möglichkeit diskutiert, Angebote auch auf Strecken mit geringerem Fahrgastaufkommen wirtschaftlich betreiben zu können. Barrierefreie Ausstattungsmerkmale wie Niederflureinstiege und Rollstuhlrampen gehören dabei grundsätzlich zu den Anforderungen, die auch bei konventionellen Linienbussen im modernen Nahverkehr üblich sind.






