Die ÖBB haben einen Auftrag im Wert von 2,6 Milliarden Euro an die Unternehmen Siemens und Hitachi vergeben. Damit soll die Digitalisierung der Stellwerke im österreichischen Bahnnetz vorangetrieben werden. Derzeit betreiben die ÖBB 650 Stellwerke im gesamten Streckennetz. Im Endausbau sollen österreichweit nur mehr drei große Rechenzentren diese Anlagen ersetzen.
Milliardenauftrag an zwei Bahntechnikkonzerne
Der Auftrag im Umfang von 2,6 Milliarden Euro geht an die Unternehmen Siemens und Hitachi. Er betrifft die schrittweise Digitalisierung der Stellwerkstechnik im ÖBB-Netz. Anstelle der bislang 650 einzelnen Stellwerke sollen künftig drei große Rechenzentren die entsprechenden Funktionen übernehmen. Diese Rechenzentren sollen über Glasfaserleitungen miteinander verbunden werden.
Als Termin für die Inbetriebnahme des Pilotprojekts ist das vierte Quartal 2030 vorgesehen. Ein erstes Pilotprojekt zur digitalen Stellwerkstechnik läuft bereits seit 2020 in Achau an der Ostbahn.
ÖBB-Infrastrukturvorstand Johann Pluy äußerte sich zu dem Vorhaben. Mobilitätsminister Peter Hanke von der SPÖ war ebenfalls an der Vorstellung des Projekts beteiligt. Von Siemens Mobility Austria war Tanja Kienegger eingebunden, für Hitachi Rail äußerte sich Hannes Boyer, der als Vizepräsident für Nord-, Zentral- und Osteuropa zuständig ist.
Im Zusammenhang mit dem Auftrag kündigte Hitachi an, am Standort Wien, wo das Unternehmen derzeit 500 Mitarbeiter beschäftigt, 40 zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Siemens wiederum plant, 25 Millionen Euro in ein digitales Testcenter in Österreich zu investieren.
Digitale Stellwerkstechnik im europäischen Vergleich
Stellwerke steuern grundsätzlich Weichen, Signale und Fahrwege im Bahnverkehr und gelten als zentrale Schaltstellen für einen sicheren Zugbetrieb. Klassische Stellwerke sind örtlich an bestimmte Streckenabschnitte gebunden und erfordern entsprechende technische Infrastruktur vor Ort. Digitale Stellwerkstechnik verlagert diese Steuerungsfunktionen dagegen in zentrale Rechenzentren, die über Datenleitungen mit der Strecke verbunden sind. Dadurch lässt sich grundsätzlich eine größere Zahl an Streckenabschnitten von wenigen zentralen Standorten aus steuern, statt zahlreiche einzelne Anlagen entlang des Netzes zu betreiben und zu warten.
Auch andere europäische Bahnbetreiber setzen auf solche Systeme. Norwegen hat im vorigen Jahr begonnen, mithilfe von Siemens bestehende Stellwerke stillzulegen und klassische Eisenbahn-Signale abzubauen. Damit reiht sich das österreichische Vorhaben in einen breiteren europäischen Trend zur Modernisierung der Signal- und Steuerungstechnik im Schienenverkehr ein.
Bei derartigen Digitalisierungsprojekten im Bahnbereich handelt es sich in der Regel um langjährige Vorhaben, die in mehreren Phasen umgesetzt werden. Nach ersten Pilotprojekten folgt üblicherweise eine schrittweise Ausweitung auf weitere Streckenabschnitte, bevor ältere Anlagen sukzessive außer Betrieb genommen werden. Der nun angekündigte Zeitrahmen bis zum vierten Quartal 2030 bezieht sich dabei zunächst auf das erste Pilotprojekt und nicht auf eine vollständige Umstellung des gesamten Netzes.





