In Österreich ist diesen Sommer so viel überschüssiger Strom gespendet worden wie noch nie. Das berichtet die Energiegemeinschaft Robin Powerhood, die als Drehscheibe für Stromspenden fungiert. Auch in Salzburg wächst die Zahl jener Menschen, die Strom spenden oder beziehen: Bisher gibt es dort neun Stromspenderinnen und Stromspender, darunter die Halleiner Schwestern Franziskanerinnen.
Ordensschwestern spenden Solarstrom statt ihn zu verkaufen
Die Halleiner Franziskanerinnen verkaufen den überschüssigen Strom ihrer Photovoltaikanlage nicht, sondern stellen ihn Haushalten mit geringem Einkommen zur Verfügung. Maria-Gabriela Unterluggauer begründete dies damit, dass es für ins Netz eingespeisten Strom nur wenig Geld gebe. Im vergangenen Jahr hätten die Ordensfrauen mit ihren Stromspenden unter anderem Hunderte warme Duschen und Waschgänge finanziert.
Allerdings geht derzeit ein beträchtlicher Teil der möglichen Spenden verloren. Salzburg Research untersucht deshalb, wie sich Stromspenden effizienter organisieren lassen, unter anderem durch einen intelligenteren Einsatz von Speichern. Projektleiter Stefan Linecker erklärte, die Energie müsse genau dann abgenommen werden, wenn sie verfügbar sei. Nach seinen Angaben gehen derzeit rund 50 Prozent jener Energiemengen verloren, die eigentlich als Spende zur Verfügung stünden. Gleichzeitig steigt die Zahl der gespendeten Kilowattstunden.
Valentin Neuhauser von Robin Powerhood sagte, der sonnige Sommer habe besonders viel überschüssigen Solarstrom gebracht. Österreichweit seien im Juli laut Robin Powerhood Rekordmengen an Strom gespendet worden. Eine Million Kilowattstunden entspreche bei einem angenommenen Strompreis von 13 Cent pro Kilowattstunde einem Spendenwert von rund 130.000 Euro.
Vermittlung über Beratungsstelle und Einkommensgrenzen
Die Beratungsstelle Soziale Arbeit hat in Salzburg bisher rund 50 Menschen als Stromempfängerinnen und Stromempfänger vermittelt. Für die Vermittlung gelten bestimmte Einkommensgrenzen: Für einen Einpersonenhaushalt liegt sie derzeit bei 1.827 Euro netto im Monat. Sozialarbeiterin Astrid Pölzl ist bei der Beratungsstelle für diese Vermittlung zuständig. Wer Unterstützung beantragen möchte, muss entsprechende Einkommensnachweise vorlegen.
Sowohl Spenderinnen und Spender als auch Empfängerinnen und Empfänger müssen der Energiegemeinschaft Robin Powerhood beitreten und sich zusätzlich beim jeweiligen Netzbetreiber registrieren. Dieser Registrierungsschritt gilt in der Praxis als oft kompliziert. Die Salzburg Netz GmbH teilte mit, Verbesserungen in diesem Bereich prüfen zu wollen.
Funktionsweise von Energiegemeinschaften
Energiegemeinschaften ermöglichen es grundsätzlich, dass Strom aus privaten oder institutionellen Photovoltaikanlagen nicht ausschließlich ins öffentliche Netz eingespeist, sondern gezielt an andere Mitglieder weitergegeben wird. Anders als beim klassischen Verkauf von Überschussstrom an einen Energieversorger entscheidet dabei die Gemeinschaft selbst, wie die verfügbare Energie verteilt wird. Für Anlagenbetreiber kann das eine Alternative zur reinen Netzeinspeisung sein, für die es üblicherweise nur eine vergleichsweise geringe Vergütung gibt.
Technisch hängt die Menge des tatsächlich nutzbaren gespendeten Stroms stark davon ab, ob Erzeugung und Verbrauch zeitlich zusammenfallen. Da Photovoltaikanlagen vor allem tagsüber und bei Sonnenschein Strom liefern, kann ungenutzte Energie ungenutzt verpuffen, wenn zu diesem Zeitpunkt kein Bedarf besteht. Speichersysteme oder eine intelligentere Steuerung des Verbrauchs gelten in diesem Zusammenhang allgemein als mögliche Ansätze, um solche Verluste zu verringern und einen größeren Anteil der erzeugten Energie tatsächlich nutzbar zu machen.
Die Teilnahme an einer Energiegemeinschaft ist in Österreich grundsätzlich an formale Voraussetzungen geknüpft. Dazu zählen üblicherweise ein Beitritt zur jeweiligen Gemeinschaft sowie eine Registrierung beim zuständigen Netzbetreiber, da die Stromflüsse messtechnisch korrekt zugeordnet werden müssen. Solche administrativen Abläufe gelten bei vergleichbaren Modellen häufig als eine praktische Hürde, insbesondere für Menschen, die mit entsprechenden Verfahren wenig vertraut sind.





