In der Steiermark haben von Jänner bis Ende September 620 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das entspricht durchschnittlich zwei Betrieben pro Tag und liegt um 13 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das geht aus einer Hochrechnung des KSV1870 für die ersten drei Quartale hervor, die österreichweit einen Anstieg der Firmeninsolvenzen zeigt.
Deutlich höhere Schadenssumme in der Steiermark
Besonders stark ist der Anstieg bei den Passiva: Sie erhöhten sich in der Steiermark um 165 Prozent auf 778 Millionen Euro. Im Vorjahr lag der Schaden zum gleichen Zeitpunkt bei 293 Millionen Euro. Zu den größten Insolvenzfällen des Jahres zählten Domaines Kilger, Wollsdorf Leder und die ADA Möbelfabrik. Im bundesweiten Vergleich verzeichnete Vorarlberg mit 43 Prozent den stärksten Anstieg der Firmenpleiten.
Auch bei den Beschäftigten zeigen sich die Auswirkungen deutlich: 2.530 Mitarbeiter haben in der Steiermark durch Insolvenzen ihren Arbeitsplatz verloren, ein Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Bau, Gastronomie und Handel im Insolvenzgeschehen
Die Branchen Beherbergung und Gastronomie, Handel sowie Baugewerbe dominieren das steirische Insolvenzgeschehen und sind zusammen für etwas mehr als ein Drittel aller Unternehmensinsolvenzen verantwortlich. Dabei entwickeln sich die einzelnen Branchen unterschiedlich: Im Baugewerbe stiegen die Insolvenzen um fast zwölf Prozent, in der Gastronomie um rund fünf Prozent. Der Handel hingegen verzeichnete einen Rückgang von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rene Jonke, Leiter der Region Süd beim KSV1870, ordnet die aktuelle Entwicklung ein.
Erneute Insolvenz bei Christof Industries und Tochterfirma FMT
Zu den aktuellen Fällen zählt das Grazer Unternehmen Christof Industries Austria, das erneut Insolvenz anmelden musste. Das Unternehmen ist auf Anlagenbau, Industrieservice und Umwelttechnologien spezialisiert. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) gab am Mittwoch bekannt, dass über das Vermögen der FMT Personalservice GmbH mit Sitz in Wels in Oberösterreich ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet wurde. Alleingesellschafterin der FMT Personalservice GmbH ist die Christof Industries Austria GmbH. Die Verbindlichkeiten der FMT Personalservice GmbH werden mit rund einer Million Euro beziffert.
Sanierungsverfahren als Instrument zur Unternehmensfortführung
Ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung unterscheidet sich grundsätzlich von einem Konkursverfahren dadurch, dass es auf den Fortbestand des Unternehmens abzielt. Die Geschäftsführung wird dabei von einem gerichtlich bestellten Sanierungsverwalter abgelöst, der die operative Führung übernimmt und gemeinsam mit den Gläubigern einen Sanierungsplan erarbeitet. Ziel eines solchen Verfahrens ist es üblicherweise, den Betrieb ganz oder teilweise zu erhalten und Arbeitsplätze zu sichern, anstatt das Unternehmen zu liquidieren. Die Gläubiger erhalten im Rahmen eines Sanierungsplans in der Regel eine Quote ihrer offenen Forderungen, während der Betrieb unter neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weitergeführt wird.
Grundsätzlich erfassen Insolvenzstatistiken wie jene des KSV1870 sowohl die Zahl der eröffneten Verfahren als auch die Höhe der offenen Verbindlichkeiten, die sogenannten Passiva. Ein starker Anstieg der Passiva kann dabei unabhängig von der reinen Anzahl der Insolvenzfälle auftreten, etwa wenn einzelne größere Unternehmen mit hohem Verbindlichkeitsvolumen betroffen sind. Kreditschutzverbände wie der KSV1870 oder der Alpenländische Kreditorenverband erstellen solche Auswertungen regelmäßig auf Basis der bei Gerichten eröffneten Insolvenzverfahren und dienen damit als zentrale Quelle für die wirtschaftliche Lageeinschätzung in einzelnen Bundesländern und Branchen.





