Tirol hat Ende September 2026 weiterhin die niedrigste Arbeitslosenquote aller österreichischen Bundesländer verzeichnet. Insgesamt waren 15.501 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind um 260 Personen oder 1,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 Prozent. Österreichweit fiel der Anstieg mit 2,5 Prozent auf 306.624 Personen stärker aus.
Aktuelle Entwicklung am Tiroler Arbeitsmarkt
Die Zahl der unselbständig Beschäftigten in Tirol wurde auf 361.000 geschätzt. Auffällig ist der hohe Anteil kurzfristiger Arbeitslosigkeit: 63 Prozent der gemeldeten Arbeitslosen waren weniger als drei Monate ohne Beschäftigung. Gleichzeitig zeigt sich bei der Langzeitbeschäftigungslosigkeit ein deutlicherer Anstieg. Betroffen waren 2.538 Menschen, ein Plus von 20,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte dieser Personengruppe hat gesundheitliche Einschränkungen.
Bei der Entwicklung nach Geschlecht zeigen sich gegenläufige Trends. Die Zahl arbeitsloser Männer sank um 0,6 Prozent auf 7.650 Personen, während die Zahl arbeitsloser Frauen um 4,1 Prozent auf 7.851 Personen stieg. Die Arbeitslosenquote bei Frauen lag bei 4,4 Prozent, jene bei Männern bei 3,9 Prozent.
Beim Bildungsniveau zeigt sich ein deutlicher Unterschied: 39,5 Prozent der vorgemerkten Arbeitslosen hatten Ende September maximal einen Pflichtschulabschluss. In dieser Gruppe lag die Arbeitslosenquote bei 10,5 Prozent. Bei Personen mit abgeschlossener Lehrausbildung betrug sie 2,8 Prozent, bei Akademikerinnen und Akademikern 2,2 Prozent.
Die Zahl der beim AMS Tirol gemeldeten offenen Stellen stieg um 6,5 Prozent auf 7.339. Auch am Lehrstellenmarkt gab es Bewegung: Die Zahl offener Lehrstellen erhöhte sich um 24,5 Prozent auf 1.548, während die Zahl der Lehrstellensuchenden um 8,8 Prozent auf 596 anstieg. Die Zahl der Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer des AMS Tirol wuchs um 15,3 Prozent auf 2.725. Sabine Platzer-Werlberger ist Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol.
Qualifikation als zentraler Faktor am Arbeitsmarkt
Grundsätzlich zeigt sich an Arbeitsmärkten regelmäßig ein enger Zusammenhang zwischen Qualifikationsniveau und Beschäftigungschancen. Je höher der formale Bildungsabschluss, desto geringer fällt üblicherweise das Risiko aus, arbeitslos gemeldet zu sein. Das liegt unter anderem daran, dass Betriebe bei einfacheren Tätigkeiten tendenziell stärker auf technologische Veränderungen, saisonale Schwankungen oder konjunkturelle Entwicklungen reagieren, während spezialisierte oder akademische Tätigkeitsfelder häufig stabiler nachgefragt werden.
Auch der Umgang mit Langzeitarbeitslosigkeit ist in vielen Arbeitsmärkten ein wiederkehrendes Thema. Je länger eine Erwerbsunterbrechung andauert, desto schwieriger gestaltet sich in der Regel die Rückkehr in reguläre Beschäftigung. Gesundheitliche Einschränkungen spielen dabei häufig eine Rolle, da sie die Vermittelbarkeit zusätzlich erschweren können. Arbeitsmarktservice-Einrichtungen setzen in solchen Fällen üblicherweise auf gezielte Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, um die Beschäftigungsfähigkeit der betroffenen Personen zu erhalten oder wiederherzustellen.
Lehrstellenmarkt als eigenständiger Indikator
Der Lehrstellenmarkt wird in der Arbeitsmarktstatistik meist gesondert betrachtet, da er sowohl die Nachfrage von Jugendlichen nach einer Ausbildung als auch das Angebot ausbildender Betriebe widerspiegelt. Ein gleichzeitiger Anstieg von offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden deutet in der Regel darauf hin, dass sowohl auf Anbieter- als auch auf Nachfrageseite eine gewisse Dynamik besteht, ohne dass daraus unmittelbar Rückschlüsse auf ein Ungleichgewicht gezogen werden können. Die genaue Passung zwischen angebotenen Lehrstellen und den Wünschen oder Qualifikationen der Suchenden hängt dabei stets von einzelnen Branchen und Regionen ab.







