Zwei Verkehrsplaner der TU Wien haben Kritik an den geplanten Ausbauarbeiten der Friesacher Straße (B 317) in Kärnten geäußert. Günther Emberger und Hermann Knoflacher, beide gebürtige Kärntner, stellten am Dienstag bei einem Pressegespräch in Wien ihre Bedenken zum vorgesehenen Ausbau zwischen St. Veit und Friesach vor. Bund und Land hatten sich zuvor auf ein Ausbauprojekt mit einem Kostenvolumen von 400 Millionen Euro geeinigt. Die Bauarbeiten sollen den Plänen zufolge erst in sechs Jahren beginnen.
Kritik an Zeitplan und Ausbaukonzept
Die Friesacher Straße gilt als einer der gefährlichsten Verkehrsabschnitte Kärntens. In den vergangenen Jahren kam es dort wiederholt zu schweren Unfällen, darunter auch solche mit Todesopfern. Der geplante Ausbau sieht breitere Fahrbahnen sowie neue Trennelemente in der Fahrbahnmitte vor.
Emberger kritisiert, dass Straßenbauprojekte derzeit generell mit dem Argument der Sicherheit begründet würden. Zudem bemängelt er, dass über einen langen Zeitraum keine Maßnahmen auf der B 317 umgesetzt worden seien. Aus Sicht der beiden Verkehrsplaner ist der geplante sechsjährige Vorlauf bis zum Baubeginn zu lang angesichts der bestehenden Unfallhäufung auf der Strecke.
Als Alternative zum vorgesehenen Ausbaukonzept schlagen Emberger und Knoflacher zwei konkrete Maßnahmen vor: die Einführung einer Section-Control zur Geschwindigkeitsüberwachung sowie eine dreispurige Führung der Straße. Bei diesem Modell würde abschnittsweise eine Fahrtrichtung über zwei Spuren verfügen, während die Gegenrichtung auf eine Spur beschränkt bliebe. Emberger verweist darauf, dass sich vergleichbare Modelle in Schweden bereits bewährt hätten. Nach Angaben der beiden Experten habe die Politik auf ihre Vorschläge bislang kaum reagiert.
Section-Control und mehrspurige Straßenführung als Konzepte
Section-Control-Systeme messen die Durchschnittsgeschwindigkeit von Fahrzeugen über einen definierten Streckenabschnitt hinweg, anstatt punktuell zu blitzen. Dadurch soll ein gleichmäßigeres Tempo über die gesamte Strecke erreicht werden, was in vielen Ländern als wirksames Mittel zur Unfallvermeidung auf Überlandstraßen gilt. Solche Systeme kommen in Österreich bereits an einzelnen Autobahnabschnitten zum Einsatz.
Die von den Verkehrsplanern vorgeschlagene dreispurige Straßenführung mit wechselnder Spuranzahl je Richtung wird in der Verkehrsplanung als Mittelweg zwischen klassischer zweispuriger Landstraße und vollständigem vierspurigem Ausbau diskutiert. Ziel eines solchen Modells ist es, sichere Überholmöglichkeiten zu schaffen, ohne die Straße durchgehend auf vier Spuren zu erweitern. Grundsätzlich wird bei Ausbauprojekten dieser Art häufig abgewogen, inwieweit eine Kapazitätserweiterung zusätzlichen Verkehr auf eine Strecke ziehen kann. Diese Frage wird in der Fachdiskussion unterschiedlich bewertet und hängt von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten ab.
Bei Straßenbauprojekten dieser Größenordnung sind in Österreich üblicherweise sowohl der Bund als auch die jeweiligen Bundesländer eingebunden, da die Finanzierung und Umsetzung von Bundesstraßen in der Regel gemeinsam koordiniert wird. Solche Vorhaben durchlaufen typischerweise mehrere Planungs- und Genehmigungsschritte, bevor der eigentliche Baubeginn erfolgen kann. Der zeitliche Vorlauf bei größeren Ausbauprojekten ergibt sich dabei häufig aus technischen Planungsprozessen, behördlichen Verfahren und der Abstimmung zwischen den beteiligten Gebietskörperschaften.
Hinweis zur Faktenprüfung
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