Anhaltende Hitze und Dürre haben der Wiener Landwirtschaft in den vergangenen Monaten erheblich zugesetzt. Bauern berichten von großen Ernteausfällen bei Kürbissen, Sonnenblumen und Soja. Besonders deutlich zeigt sich die Trockenheit am Prentlhof in Unterlaa im 10. Bezirk, wo das Sonnenblumenfeld bereits vertrocknet ist und die Pflanzen fast einen Monat früher als üblich in die Reproduktionsphase übergegangen sind.
Deutliche Einbußen bei Kürbissen und Sonnenblumen
Am Prentlhof steht die Ernte bereits in zwei Wochen an. Die Kürbisse sind zwar reif, wachsen aber nicht mehr weiter und fallen drei- bis viermal kleiner aus als in einem üblichen Erntejahr. Landwirt Markus Sandbichler verzeichnet dadurch ein Ertragsminus von fast 75 Prozent bei den Kürbissen. Nach eigenen Angaben hat es in der rund 200-jährigen Geschichte des Betriebs noch kein derart trockenes Jahr gegeben. Sandbichler fordert angesichts der Verluste finanzielle Unterstützung für Landwirte.
Auch bei anderen Kulturen zeigen sich die Folgen der Trockenheit. Die Landwirtschaftskammer Wien rechnet beim Fruchtgemüse im geschützten Anbau, also in Gewächshäusern, mit Ernteausfällen von rund 30 Prozent. Betroffen sind vor allem Tomaten, Paprika, Melanzani und Gurken. Eine Tomatenrispe trägt derzeit oft nur rund zwei Früchte statt der sonst üblichen fünf bis sechs, zudem fallen die einzelnen Früchte kleiner aus und erreichen ein geringeres Gewicht als in normalen Jahren.
In Wien wird ein großer Teil der Gemüseproduktion in Gewächshäusern betrieben, was die Ausfälle beim Fruchtgemüse besonders sichtbar macht. Neben den Ernteschäden zeigen sich weitere Auswirkungen der langanhaltenden Trockenheit: In Wien sind bereits einzelne Brunnen ausgetrocknet. Auch beim Wiener Wein sind Schäden zu verzeichnen.
Hitze als Belastung für Pflanzen und Bestäubung
Hohe Temperaturen beeinträchtigen grundsätzlich nicht nur das Wachstum der Pflanzen selbst, sondern auch die Bestäubung. Nützlinge wie Hummeln sind bei großer Hitze deutlich weniger aktiv und fliegen seltener aus, was sich unmittelbar auf den Fruchtansatz auswirken kann. Bestäubende Insekten benötigen für ihre Aktivität bestimmte Temperaturbereiche, außerhalb derer ihre Flugzeiten und damit ihre Bestäubungsleistung zurückgehen.
Für viele Gemüse- und Obstkulturen ist eine ausreichende Bestäubung Voraussetzung für einen gleichmäßigen Fruchtansatz. Bleibt sie aus oder fällt geringer aus, wirkt sich das unmittelbar auf Fruchtgröße, Fruchtzahl und letztlich auf den Ertrag aus. Diese Zusammenhänge gelten allgemein für den Anbau von Fruchtgemüse und sind nicht auf einen einzelnen Betrieb oder eine bestimmte Region beschränkt.
Wasserverfügbarkeit als zentraler Faktor
Die Wasserversorgung ist in der Landwirtschaft grundsätzlich ein entscheidender Faktor für Wachstum und Ertrag. Bleibt Regen über längere Zeiträume aus, sinkt der Wassergehalt im Boden, was Pflanzen unter Stress setzt und ihre Entwicklung verändern kann. Bei anhaltender Trockenheit greifen landwirtschaftliche Betriebe häufig auf Grundwasser aus Brunnen zurück, um Kulturen zusätzlich zu bewässern. Sinkt der Grundwasserspiegel jedoch stark ab oder trocknen einzelne Brunnen vollständig aus, fällt diese Möglichkeit der Bewässerung zumindest teilweise weg. Damit verschärft sich die Situation für betroffene Betriebe zusätzlich, da ihnen weniger Mittel zur Verfügung stehen, um Trockenperioden auszugleichen.








