Die Wiener Taxibranche fordert wegen stark gestiegener Treibstoffpreise eine Anpassung des Taxitarifs. Der Diesel kostet aktuell rund 2,30 Euro. Der geltende Tarif wurde seit 2023 nicht mehr verändert. Resul Ekrem Gönültas, Taxi-Obmann in der Wiener Wirtschaftskammer, spricht von Unternehmern im Taxigewerbe, die die aktuelle Lage wirtschaftlich nicht mehr durchhalten und ihren Betrieb aufgeben.
Auch Wolfgang Böhm, Obmann der Wiener Transporteure, sieht sein Gewerbe unter Druck. Er kann die gestiegenen Treibstoffkosten nur begrenzt an seine Kunden weitergeben.
Steigende Kosten im Taxigewerbe
Laut Gönültas gibt es im Taxigewerbe Unternehmer, die angesichts der gestiegenen Spritpreise nicht mehr kostendeckend arbeiten können und deshalb aufhören. Einige Betriebe mit mehreren Fahrzeugen versuchen derzeit, mithilfe von finanziellen Rücklagen über die Runden zu kommen, statt den Betrieb einzustellen. Der Taxitarif, der die Preise für Fahrgäste regelt, wird von der Stadt Wien verordnet und wurde seit 2023 nicht angepasst, obwohl die Treibstoffkosten seither gestiegen sind.
Auch die Wiener Transporteure sind von der Preisentwicklung betroffen. Wolfgang Böhm weist darauf hin, dass er höhere Treibstoffpreise zwar an seine Kunden weiterreichen muss, dies aber nur in begrenztem Umfang möglich ist. Er fordert deshalb eine Befreiung von der Mineralölsteuer für Transportunternehmen. Diese Forderung wird vom Wiener Roten Kreuz unterstützt, das eine entsprechende Steuerbefreiung für seine Einsatzfahrzeuge befürwortet.
Zur Frage einer Anpassung des Taxitarifs äußerte sich Finanzstadträtin Barbara Novak von der SPÖ. Ihr zufolge wird derzeit an einem Plan zur Anpassung des Tarifs gearbeitet.
Treibstoffpreise als wirtschaftlicher Faktor im Gewerbe
Grundsätzlich zählen Treibstoffkosten im Taxi- und Transportgewerbe zu den zentralen laufenden Betriebsausgaben. Anders als bei vielen anderen Branchen lassen sich diese Kosten nicht ohne weiteres kurzfristig an Kunden weitergeben, wenn die Preise behördlich reguliert sind. Beim Taxigewerbe betrifft das insbesondere den Tarif, der die zulässigen Fahrpreise festlegt und von der jeweiligen Gemeinde beziehungsweise Stadt verordnet wird. Steigen die Treibstoffkosten deutlich, während der Tarif unverändert bleibt, verringert sich üblicherweise die Gewinnspanne der Unternehmen, da ein wesentlicher Kostenfaktor nicht mehr durch die Einnahmen gedeckt wird.
Im Gütertransport gestaltet sich die Lage insofern anders, als Preise grundsätzlich freier verhandelt werden können. In der Praxis stößt eine Weitergabe höherer Kosten an Auftraggeber jedoch häufig an Grenzen, etwa durch bestehende Verträge, Wettbewerbsdruck oder die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Dadurch bleibt auch dort ein Teil der gestiegenen Treibstoffkosten häufig bei den Unternehmen selbst hängen.
Die Mineralölsteuer ist in Österreich eine bundesweit geregelte Verbrauchsteuer auf Kraftstoffe wie Diesel und Benzin. Sie macht einen erheblichen Teil des Preises an der Tankstelle aus. Forderungen nach einer Befreiung oder Reduktion dieser Steuer für bestimmte Berufsgruppen oder Einsatzorganisationen sind in Zeiten hoher Treibstoffpreise ein wiederkehrendes Thema, da eine solche Maßnahme unmittelbar die Betriebskosten senken würde. Über die Ausgestaltung und Umsetzung derartiger Steuerregelungen entscheidet grundsätzlich der Bund.
Tarifanpassungen im Taxigewerbe erfolgen üblicherweise durch eine behördliche Verordnung der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. Dabei werden in der Regel verschiedene Kostenfaktoren berücksichtigt, etwa Treibstoffpreise, Lohnkosten und weitere Betriebsausgaben. Solche Anpassungen benötigen üblicherweise eine gewisse Vorbereitungszeit, da unterschiedliche Interessen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen abgewogen werden müssen, bevor eine neue Regelung in Kraft tritt.
Hinweis zur Faktenprüfung
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