Zementwerk Kirchdorf testet CO₂-Filter – Politik fordert Speicherung im Untergrund

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

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Im Zementwerk Kirchdorf an der Krems testet ein oberösterreichischer Anlagenbauer eine neue Anlage, die Kohlendioxid direkt aus der Abluft der Produktion filtert. Das abgeschiedene CO₂ wird derzeit noch wieder in die Atmosphäre freigesetzt, da es in Österreich aktuell keine Möglichkeit gibt, das Treibhausgas in größerem Umfang dauerhaft zu speichern. Die Zementindustrie zählt zu den bedeutenden Verursachern von Kohlendioxid-Emissionen.

Testanlage in Kirchdorf und die Debatte um Speicherorte

Die Industrie schlägt vor, das gefilterte CO₂ künftig in leere Erdgasfelder im Boden einzubringen. Markus Mitteregger, Geschäftsführer der RAG Austria AG, sieht darin großes Potenzial. Nach seiner Einschätzung ließen sich in solchen Lagerstätten Mengen speichern, die mehreren Jahren oder sogar Jahrzehnten an CO₂-Emissionen entsprechen. Umweltorganisationen beurteilen die Speicherung von Kohlendioxid im Boden hingegen kritisch.

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) spricht sich für die CO₂-Speicherung im Boden aus. Er begründet seine Haltung damit, die Baustoffindustrie im Land halten zu wollen. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) fordert eine gesetzliche Grundlage für die Speicherung von Kohlendioxid im Untergrund. Er verknüpft diese Forderung mit dem geplanten Klimaschutzgesetz und geht davon aus, dass mit dessen Beschluss zeitgleich auch die CO₂-Speicherung erlaubt werden sollte. Zudem verlangt Hattmannsdorfer ein schnelleres Umweltverträglichkeitsverfahren. Joao Paulo Pereira da Silva, Geschäftsführer des Zementwerks Kirchdorf an der Krems, ist ebenfalls an der Entwicklung beteiligt. Ob und an welchen Standorten eine Kohlendioxid-Speicherung in Österreich künftig zulässig ist, entscheidet letztlich der Gesetzgeber.

Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid als technisches Verfahren

Bei der sogenannten CO₂-Abscheidung wird Kohlendioxid aus Industrieabgasen herausgefiltert, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Grundsätzlich kommen für die anschließende Lagerung vor allem geologische Formationen infrage, die sich für die dauerhafte Aufnahme von Gasen eignen. Dazu zählen etwa ausgeförderte Erdgas- oder Erdöllagerstätten, da deren Dichtheit über lange Zeiträume bereits durch die natürliche Speicherung fossiler Rohstoffe belegt ist. In solchen Feldern kann Kohlendioxid unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten eingebracht werden, wo es dauerhaft verbleiben soll.

International wird dieses Verfahren, häufig als CCS bezeichnet, bereits in mehreren Ländern eingesetzt oder erprobt. In der Europäischen Union gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, die eine solche Speicherung grundsätzlich ermöglichen, deren konkrete Umsetzung obliegt jedoch den einzelnen Mitgliedstaaten. Die Zementherstellung gilt dabei als eine der Branchen, in denen technisch bislang kaum Alternativen zur Vermeidung bestimmter CO₂-Emissionen bestehen. Ein wesentlicher Teil des Kohlendioxids entsteht hier nicht durch den Energieeinsatz, sondern direkt bei der chemischen Umwandlung von Kalkstein zu Zementklinker. Aus diesem Grund richtet sich die Aufmerksamkeit der Branche verstärkt auf Abscheidungs- und Speichertechnologien, um Emissionen auch dann zu verringern, wenn eine Umstellung der Produktionsprozesse allein nicht ausreicht.

Umweltverträglichkeitsprüfungen sind in Österreich für Vorhaben mit potenziell erheblichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt vorgesehen. Sie dienen dazu, mögliche Folgen eines Projekts vorab systematisch zu prüfen, bevor eine Genehmigung erteilt wird. Solche Verfahren gelten in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen als zentrales Instrument, um Umweltinteressen und wirtschaftliche Vorhaben gegeneinander abzuwägen, wobei die Dauer solcher Prüfungen je nach Komplexität eines Projekts stark variieren kann.