Zwischen Tradition und Trends: Die Zukunft der Wirtshauskultur in Niederösterreich
Dieses Thema Freunden empfehlen

Wirtshauskultur in Niederösterreich zwischen Tradition und neuen Trends

In der Wachau ist am Montag beim „Fest der Wirtshauskultur Niederösterreich“ die heimische Gastronomie in den Mittelpunkt gerückt. Vertreterinnen und Vertreter aus Gastronomie, Tourismus, Wirtschaft und Politik diskutierten dabei Entwicklungslinien der Wirtshausküche zwischen regionaler Tradition und aktuellen Trends.

Rund 200 Betriebe zählen zur Initiative „Wirtshauskultur Niederösterreich“, die nach Angaben des Landes für regionale Produkte, handwerkliche Qualität und Gastfreundschaft steht. Im Congress Center Luberegg bei Emmersdorf im Bezirk Melk wurden im Rahmen des Festes Auszeichnungen vergeben und Schwerpunkte der weiteren Entwicklung erörtert.

Klassische Küche neu interpretiert

Beim Fest ging es neben offiziellen Programmpunkten auch um Veränderungen in den Küchen und um die Erwartungen der Gäste. Laut Bericht setzen viele Wirtinnen und Wirte weiterhin auf traditionelle Gerichte, die handwerklich hochwertig umgesetzt und teilweise neu kombiniert werden.

Wirtin Silvia Hueber aus St. Georgen an der Leiß im Bezirk Scheibbs beschreibt den Trend so, dass Klassiker besonders gut gekocht und gegebenenfalls neu angerichtet werden. Christoph Puchegger aus Winzendorf im Bezirk Wiener Neustadt beobachtet eine Rückkehr zu früher verbreiteten Speisen wie Grammelknödel oder Stoßsuppe, die laut Bericht wieder häufiger auf Speisekarten zu finden sind. Gäste sollen bei solchen Speisen oft an frühere Zeiten erinnert werden, wie Puchegger meint.

Ausbildung, Nachwuchs und veränderte Essgewohnheiten

In Niederösterreich gibt es laut Bericht landesweit rund 8.000 Gastrobetriebe. Zahlreiche dieser Betriebe suchen demnach intensiv Personal, gleichzeitig bilden nur 225 von ihnen Lehrlinge aus. Im Zusammenhang mit dem Interesse Jugendlicher an einer Lehre in der Gastronomie wird ein Lehrlingswettbewerb in der HLF Krems erwähnt, zudem ein früherer Beitrag über „Koch-Lehrlinge als Zukunftshoffnung für Gastro“ auf noe.ORF.at vom 1. März 2026.

Branchenvertreter sehen in der Ausbildung ein Spannungsfeld: Einerseits gibt es laut Artikel den Wunsch nach schneller Küche, andererseits bleibt das Interesse an traditionellen Speisen bestehen. Lehrling René Kastenberger aus Purgstall im Bezirk Scheibbs sagt, viele junge Gäste würden schnelle Angebote erwarten. Er selbst bezeichnet sich als Fan der typischen Wirtshausküche und nennt Blunzengröstl als Beispiel.

Der Bericht verweist zudem auf Veränderungen bei den Essgewohnheiten. Vegetarische und vegane Angebote werden demnach stärker nachgefragt, ebenso alkoholfreie Alternativen. Wirt und Koch Mike Nährer aus Rassing im Bezirk St. Pölten spricht von einem deutlichen Trend zu vegetarischen und veganen Speisen und meint, in Familien sei immer mindestens eine Person vegetarisch oder vegan.

Wirtshaus als Treffpunkt und Qualitätsversprechen

Wirtshäuser werden im Bericht als Treffpunkte und Orte der Begegnung beschrieben, die zugleich Teil regionaler Identität sind. Laut Bilduntertiteln steht die Wirtshauskultur für regionale Produkte, ehrliches Handwerk und herzliche Gastfreundschaft und wird als Qualitätsversprechen bezeichnet.

Im Rahmen des Wirtshauskulturfestes überreichte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die Ehrenobmannschaft der Wirtshauskultur Niederösterreich an Harald Pollak. Er wird als langjährig Verantwortlicher der Initiative beschrieben, der über fast 20 Jahre Funktionen vom Vorstandsmitglied bis zum Obmann übernommen habe. Mikl-Leitner sagte, Pollak habe den Verein in die Zukunft geführt.

Auszeichnungen für Social-Media-Auftritte

Erstmals wurden im Rahmen des Festes zwei Live-Prämierungen vorgenommen. Das Publikum vor Ort kürte das kreativste Kurzvideo eines Wirtshauskultur-Betriebs sowie das prägnanteste Bild eines Wirtshauskultur-Leitprinzips.

Den Titel „Social-Media-Video des Jahres“ erhielt das Stadtwirtshaus Hopferl aus Gmünd. Als „Bild des Jahres“ wurde das „Wirtshaus im Demutsgraben“ in Niederstrahlbach im Bezirk Zwettl ausgezeichnet.

Weiterführende Links